Können Tiere das Corona-Virus übertragen?

Corona und die Erkrankung Covid-19 / Covid19, die durch das SARS-CoV2-Virus hervorgerufen wird, haben uns ein Leben mit Atemschutzmaske bis hin zu FFP2 und FFP3 Masken beschert und unsere Gesellschaft auf den Kopf gestellt. Alles ist geschlossen, und die Menschen sehnen das Ende der Pandemie herbei. Obwohl das niemand voraussagen kann, ist die Frage, welche Rolle Tiere bei der Infektion spielen, nicht ganz unwichtig.

Grundsätzlich muss das Virus irgendwie auf den Menschen übergesprungen sein. Die wahrscheinlichste Theorie ist, dass es aus Fledermäusen stammt. Fledermäuse sind mit einem besonderen Immunsystem ausgestattet, das den Viren als Reservoir dient und es ihnen ermöglicht, sich zu vermehren. Dabei werden die Fledermäuse selbst nicht krank. Im Laufe der Evolution haben sie einen Großteil der Gene verloren, die zu einer für den Körper gefährlichen Reaktion auf Viren führen. Stattdessen haben Gene, die eine Virusinfektion verhindern, zugenommen. Das SARS-CoV-2-Virus ist eng verwandt mit einem Virus, das in der Rhinolophus-Fledermaus gefunden wurde. Die Analyse zeigte eine Übereinstimmung der Gene von 96%.

Tiere als Zwischenwirt und mögliche Corona-Ursache

Auf einem Wildtiermarkt in Wuhan, der derzeit für den Ausbruch von Corona verantwortlich gemacht wird, wurden sowohl Fledermäuse als auch andere Tiere verkauft, die als Zwischenwirt in Frage kommen, z. B. Schuppentiere (Pangolins). Im Verlauf der Epidemie wurde das Virus zum Teil identisch und zum Teil durch Mutationen verändert bei weiteren Tierarten nachgewiesen – zuerst in Katzen und Frettchen.

Im Sommer fiel in den Niederlanden auf, dass Angestellte auf Nerzfarmen gehäuft an Covid-19 erkrankten. Eine Publikation in der Zeitschrift „Science“ führte den Beweis durch Analysen des Genoms, dass die Krankheit sowohl vom Menschen auf den Nerz als auch vom Nerz auf den Menschen übertragen wurde. Damit war für Nerze die Infektionskette Mensch-Tier und Tier-Mensch bewiesen. Im November 2020 wurde das Virus mit einer Mutation in Dänemark in Nerzen nachgewiesen. Es kam zu Ausbrüchen auf den Zuchtfarmen. Die Erkenntnisse aus den Niederlanden zusammen mit der Sorge, dass die Mutation eine mögliche Impfung unwirksam machen könnte, führte dazu, dass alle Nerze getötet wurden.

Ende März 2020 erkrankten in einem Zoo in der Bronx in New York Tiger und Löwen. Das SARS-CoV-2-Virus wurde in deren Blut nachgewiesen. Man muss davon ausgehen, dass ein asymptomatischer Wärter, der das Virus in sich trug, die Tiere infiziert hat. Zoos blieben eine mögliche Infektionsquelle für Mensch und Tier. In einem Safaripark in Kalifornien erkrankten Gorillas. Schon früh in der Epidemie wurde gezeigt, dass das sogenannte Spike-Protein dem Virus das Eindringen in den menschlichen Körper ermöglicht, indem es an den ACE2-Rezeptor bindet. Im Dezember 2021 erschien in PLOS BIOLOGY eine wichtige Arbeit, in der gezeigt wurde, dass das nicht nur beim Menschen möglich ist, sondern bei vielen Säugetieren.

Zusammenfassend ist somit die Übertragung zwischen dem Menschen und dem Tier genauso geklärt wie der Rückweg vom Tier zum Menschen geklärt. Man kann sich das praktisch ja auch gut vorstellen. Nicht nur der Mensch, auch jedes Tier, das das Virus in sich trägt, kann natürlich eine Infektionsquelle sein. Es kommt einerseits auf die Konzentration der Viren an und andererseits auf die Empfänglichkeit des Wesens. Dabei gibt es bei unterschiedlichen Spezies große Unterschiede, die nur teilweise erforscht sind. Am wichtigsten an diesen Beobachtungen und Erkenntnissen ist die Tatsache, dass das Virus nicht ausgerottet werden kann. Man muss den Menschen durch Impfungen und Medikamente vor dem schweren Verlauf der Erkrankung schützen.

Verhalten gegenüber eigenen Haustieren

Was bedeutet das nun für den Alltag mit Haustieren? Muss ich meinem Hund oder meiner Katze mit FFP2 oder FFP3 Maske gegenübertreten? Braucht das Tier auch eine Atemschutzmaske? Das klingt schon etwas extrem, aber schon durch eine Papiermaske, wie sie bei Operationen verwendet wird, schützen Sie Tier und Mensch – allerdings nicht sich selbst. Eine FFP2-Maske schützt Sie und das Tier genauso wie den anderen Menschen. Eine FFP3-Maske mit Ventil schützt nur Sie und ist deshalb im Umgang mit dem Tier eher sinnlos und höchstens eine Bedrohung sowohl für das Tier als auch für die anderen Menschen, denen Sie begegnen. Das Tier wird dadurch nicht geschützt und Sie selbst können sich bei Ihrem Tier vermutlich weniger leicht infizieren als bei einem menschlichen Virenträger. Absolute Aussagen sind in der Virologie allerdings nie möglich, man kann nur Risiken abwägen.

Bisherigen Beobachtungen zufolge scheiden Katzen das Virus aus und können andere Katzen anstecken. Das liegt daran, dass sie in hoher Zahl über dieselben ACE 2-Rezeptoren verfügen wie wir. Eine Übertragung von einer Katze auf den Menschen wurde bisher noch nicht bewiesen, aber ist natürlich nicht auszuschließen. Hunde scheinen weniger empfänglich für das Virus zu sein.

Um weitere Erkenntnisse über dieses komplexe Thema zu gewinnen, müssen nachweislich positiv getestete Haustiere gemeldet werden – genau wie positiv getestete Menschen. Ansonsten gibt es in Bezug auf das Corona-Virus und die Tierwelt mehr Fragen als konkrete Antworten. Deswegen hilft der gesunde Menschenverstand weiter und die Regeln, die für den Umgang zwischen Menschen geschaffen wurden. Wenden Sie die AHAL-Regeln an – Abstand, Hygiene, Atemschutz und Lüften. Waschen Sie sich vor und nach Tierkontakt gründlich die Hände! Wenn Sie als Tierhalter selbst erkrankt sind, müssen Sie genauso Abstand zu Ihrem Tier halten wie zu Ihren Mitbewohnern oder eine Maske tragen. Sie müssen die Quarantäne einhalten. Deshalb können Sie Ihr Tier nicht ausführen. Sie dürfen sich aber mit ihm im eigenen Garten bewegen. Draußen ist die Infektionsgefahr geringer als drinnen.

Zusammenfassend ist die bisher wichtigste Erkenntnis aus der Forschung über Tiere und das Corona-Virus, dass wir nicht davon ausgehen können, dass dieses Virus wieder verschwindet. Es hat fest Fuß gefasst im Tierreich und bei den Menschen und wird sich leider nicht mehr ausrotten lassen. Wir müssen damit leben.

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